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Programm ¡communicate! auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2007 vom 7. bis 9. November

Change Management: Wie das Internet die Arbeits- und Kommunikationswelt verändert

 

„Wie finde ich das richtige Maß an Offenheit?“ Mit dieser Frage brachte Prof. Dr. Joachim Henkel vom Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement der Technischen Universität München das zentrale Problem bei der optimalen Organisation von Veränderungsprozessen in der Welt des Web 2.0 auf den Punkt. Henkel diskutierte das Thema Change Management mit weiteren Experten im Rahmen eines Specials, das bei den 21. MEDIENTAGEN MÜNCHEN in Kooperation mit ¡Communicate! angeboten wurde.

 

Bei der Podiumsdiskussion prallten recht unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. „Freiwilliges Arbeiten funktioniert so gut und ist so effektiv: Warum gibt es davon so wenig?“ provozierte Sören Stamer, CEO von CoreMedia. Er plädierte für Selbstorganisation statt starrer Hierarchie und für Offenheit statt von oben vorgesetzter Strategien. Sein Ansatz, um mit der rasanten Entwicklung und den neuen Möglichkeiten der Kommunikation Schritt zu halten, lautete: „Vertrauen in Kontrolle verlieren.“ Dabei gehe es ihm nicht um den Abbau aller Strukturen, sondern um dynamische Anpassung und Wandlungsfähigkeit. Stamer schätzte, dass sich mit diesem Ansatz die Prozesse in seinem Unternehmen um mehr als zehn Prozent beschleunigt hätten. Für ihn zähle dabei „nicht Effizienz, sondern Effektivität“.

 

Bei solch offenen Strukturen sei aber, so wandte Anabel Houben, Geschäftsführerin von C4 Consulting, ein, zu prüfen, wie viel Verantwortung der einzelne Mitarbeiter im Unternehmen für Aufgaben übernehmen wolle. „Nicht jeder will 24 Stunden zur Verfügung stehen.“ Keine Verantwortung zu übernehmen, bedeute auch, seine Privatheit zu schützen. Die Herausforderung sei es, „den Mittelweg für das richtige Maß an Offenheit zu finden“, fasste Henkel zusammen. Beim Einsatz neuer Kommunikationsmöglichkeiten gelte es zu differenzieren, ob es sich um ein junges oder etabliertes Unternehmen handele. Der mit dem Internet einhergehende zuvor unbekannte Grad an Offenheit bewirke unterschiedliche Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse: „Dabei gibt es immer Champions und Gegner.“

 

Es müsse geprüft werden, welche Kommunikationswege für welche Art der Aufgaben vorteilhaft seien, ergänzte Dr. Jan Marco Leimeister vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität München: „Gerade bei großen Projekten – zumal bei solchen über mehrere Zeitzonen hinweg – hat sich oft der Einsatz eines einzigen Tools bewährt.“ Henkel fügte hinzu, es sei sinnvoll, „die Vielfalt von Ideen der Mitarbeiter“ zu nutzen, sich am Ende aber auf ein „Tool“ zu einigen.

 

Stamer hingegen vertrat die Meinung, dass sich die Menschen von sich aus koordinierten, einfach weil sie intelligent seien. Als eine der künftigen Herausforderungen für Kommunikationsprozesse in Unternehmen nannte Houben die „Meinungsmache“ im Internet. Mitarbeiter erführen oft Neuigkeiten zuerst aus dem World Wide Web, noch bevor sie vom Unternehmen selbst Auskunft erhielten. Online-Informationen seien aber meist wertend. Dazu müssten die Kommunikationsverantwortlichen Gegengewichte bilden. Stamer schilderte einen weiteren Trend: Die Welt werde „komplexer, schneller und daraus entsteht eine neue Ethik“. Fehlverhalten werde offen gelegt, in Blogs beispielsweise. Nur Transparenz könne deshalb für Vertrauen sorgen.

 

Leimeister wies darauf hin, dass das große Feld der Semantik künftig die Arbeitswelt verändern werde. Noch könne man etwa bei Google keine Fragen stellen. Dies werde sich ändern. Henkel prophezeite eine weitere Entwicklung, die er als „selektive Offenheit“ bezeichnete. Seiner Meinung nach werde es einerseits mehr Möglichkeiten für Mitarbeiter und Unternehmen geben und andererseits mehr Schutz, „wenn jeder genau weiß, was er darf“.

 

München, 7. November 2007

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